Psychotherapie bei Trauerbewältigung Wien 1080
Worum geht es in der Trauer?
Trauer ist die natürliche, tiefgreifende Reaktion auf den Verlust einer wesentlichen Bezugsperson. In der Psychotherapie betrachten wir Trauer nicht als Erkrankung oder Defizit, sondern als einen herausfordernden Transformationsprozess, der Ihre ganze Existenz betrifft. Zunächst geht es darum, den Verlust kognitiv und emotional zu realisieren, den emotionalen und verkörperten Schmerz auszuhalten, sich an ein neues Leben ohne die geliebte Person anzupassen und trotz Verlust eine emotionale Verbindung zur verstorbenen Person aufrecht zu erhalten. Dieser Prozess der Trauerbewältigung ist individuell höchst unterschiedlich und folgt keinem starren Zeitplan, sondern braucht Raum, Geduld und Mitgefühl.Mit welchen Anliegen wenden sich Klient*innen an uns?
Klient*innen haben sich in der Vergangenheit mit den folgenden Bedürfnissen an eine psychotherapeutische Trauerbegleitung gewandt:
- Den Verlust einer geliebten Person zu realisieren, den Schmerz auszuhalten und die vielfältigen, oftmals ambivalenten Gefühle dazu auszuhalten und darin verstanden zu werden.
- Mit einer außen stehenden Person über komplexe Gefühle, persönliche Gedanken differenziert reden zu können, ohne Plattitüden oder Floskeln zur Antwort zu bekommen.
- Trauergefühle vor dem Hintergrund komplizierter und ambivalenter Beziehungskonstellationen reflektieren, »entflechten« bzw. »entknoten«: etwa bei einer konfliktreichen Familiengeschichte, schwierigen Beziehungen in der Familie, belastenden Rahmenbedingungen oder etwa bei nicht anerkannter Trauer (etwa bei Affären oder außer-ehelichen Beziehungen). Dabei kann es um Gefühle gehen, die sozial wenig anerkannt sind, Gefühle wie Wut, Zorn, Schuld, Neid, Enttäuschung, Verletzung, Hass.
- Belastende Todesursachen verarbeiten wie Autounfall, Verbrennen, Bergunfall, Erfrieren oder Tötung.
- Mit der geliebten Person auch über den Tod hinaus in einer emotionalen Verbundenheit bleiben und eine fortwährende (indirekte) Präsenz zu schaffen.
- Neue Orientierung für ein Leben ohne die geliebte Person gewinnen.
- Sich nach dem Verlust einer Partnerin oder eines Partners wieder auf eine neue Beziehung einlassen können.
- Sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen, die mit dem Verlust erfahrbar wird.
Symptome der Trauer: Wenn das Gleichgewicht wankt
Die psychischen Symptome eines schweren Verlustes manifestieren sich oft als tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühle der Sinnlosigkeit oder eine schmerzliche Sehnsucht nach dem Verstorbenen. Betroffene erleben häufig eine emotionale Labilität, die von Taubheit bis hin zu intensiver Wut oder Schuldgefühlen reichen kann. Auch kognitive Einschränkungen wie Konzentrationsstörungen, kreisende Gedanken um den Todesfall und eine veränderte Zeitwahrnehmung sind typische Zeichen für die emotionale Überforderung eines Verlustes, der lange unbegreiflich bleibt.
Auf der körperlichen Ebene zeigt sich die Trauer oft durch eine tiefe Erschöpfung, Schlafstörungen oder ein Engegefühl in der Brust und im Hals. Viele Klient*innen berichten in der Trauertherapie von psychosomatischen Beschwerden wie Appetitlosigkeit oder einer erhöhten Infektanfälligkeit. Diese Symptome sind Ausdruck der Stressreaktion, die ein Verlust auslöst, und verdeutlichen, dass Trauer ein ganzheitliches Geschehen ist, das Körper und Geist gleichermaßen beansprucht.
»Wie kaum ein anderes psychisches Phänomen offenbart die Trauer die Tatsache, dass wir als menschliche Wesen zutiefst auf Andere bezogen und auf sie angewiesen sind – ja, dass unser eigenes Selbst durchlässig und offen für andere ist.«
Thomas Fuchs
Wie Psychotherapie bei Trauer hilft
Eine Psychotherapie bietet einen geschützten Raum, in dem alle Facetten des Schmerzes ohne gesellschaftlichen Erwartungsdruck existieren dürfen. In der Trauerbegleitung orientieren wir uns nicht an Trauerphasen, die jede Person gleichermaßen chronologisch durchlaufen würde, sondern an »Traueraufgaben« nach William Worden. In der Trauer geht es um das Aushalten des Schmerzes, das Realisieren des Verlust, eine Anpassung der Selbstbeziehung sowie Beziehung zu Anderen in in einer veränderten Lebenssituation und das Aufrechterhalten einer emotionalen Verbundenheit. Diese »Aufgaben« ergeben sich als »Erfordernis« aus der existentiellen Erfahrung eines Verlustes.
Das Ziel ist es, mit dem eigenen Leben im Anschluss an den Verlust weitermachen zu können, nicht an der Vergangenheit festklammern und die verstorbene Person im weiteren Leben fortwährend präsent zu halten. Dies gefühlt umzusetzen, erfordert einiges an emotionaler »Trauerarbeit« und wird Zeit benötigen. Wir begleiten Sie hierbei mit Verständnis, Wärme und Mitgefühl. Psychotherapie fungiert hier als Brücke zwischen der Vergangenheit mit dem geliebten Menschen und einer Zukunft, in der das Leben – trotz der Lücke – wieder als lebenswert erfahren werden kann.
»Wir Menschen sind nicht so eindimensional in unserer Liebesfähigkeit, dass wir nicht die Vergangenheit sorgsam bewahren und gleichzeitig etwas Neues beginnen könnten.«
Ulrike Backhaus
Wie läuft Psychotherapie bei Trauerbegleitung ab?
Zu einer Psychotherapie zur Trauerbewältigung gehören mehrere Elemente: Die Beziehung zwischen Therapeut*in und Klient*in bietet einen »sicheren Rahmen«, um auch schwerste Gefühle von Verzweiflung und Einsamkeit gemeinsam auszuhalten. Unsere Therapeut*innen begegnen Ihnen bedingungslos mit Respekt, Wertschätzung und Verständnis.
Wir fokussieren dabei ihre Gefühle mit unterschiedlichen Methoden:
- Körperarbeit,
- Arbeit mit kreativen Medien,
- Arbeit mit Gegenständen,
- Visualisierung von Beziehungskonstellationen,
- Imaginationen.
Ebenso betrachten wir das soziale Gefüge der Welt, in der Sie leben. Wir betrachten, wie sich Rollen innerhalb der Familie verschieben und wie das soziale System auf den Verlust reagiert. Diese Methode hilft dabei, verdeckte Dynamiken zu verstehen und die verbliebenen Beziehungen als Ressource für die Trauerbewältigung zu nutzen.
Was passiert mit der Psyche bei Trauer?
Aus psychodynamischer und humanistischer Sicht löst ein schwerer Verlust eine Destabilisierung des Selbstbildes aus. Die Psyche muss die „Objektkonstanz“ aufrechterhalten, das heißt, die innere Bindung zum Verstorbenen muss transformiert werden, während die Realität den äußeren Verlust erzwingt. Dieser Prozess erfordert eine enorme psychische Energieaufwendung (Trauerarbeit), die oft zu einer vorübergehenden Rückzugstendenz führt, um die innere Welt vor weiterer Überforderung zu schützen.
Gleichzeitig findet infolge eines Verlusts von Sinn eine Suche nach Kohärenz statt. Eine Person versucht, das Ereignis in die eigene Lebensbiografie einzuordnen. Wo dies emotional nicht gelingen, treten Gefühle wie Verzweiflung, Ohnmacht, Bodenlosigkeit, Abgründigkeit, Lebensüberdrüssigkeit bis hin zu Suizidgedanken, Gefühllosigkeit oder wiederkehrendes Gedankenkreisen auf, eine Person wird unflexibel, sich auf neue Momente im Leben einzulassen. Eine gesunde Trauer hingegen führt dazu, dass die Bindungsenergie langsam wieder für neue Beziehungen und Lebensziele frei wird, ohne den Verstorbenen zu vergessen.
Folgen der Nicht-Behandlung
Wenn schwere Trauerprozesse nicht ausreichend integriert werden und keine ausreichende Unterstützung erfahren, kann sich eine anhaltende Trauerstörung entwickeln. Ohne Psychotherapie besteht das Risiko, dass der Schmerz chronifiziert und in eine tiefe Depression, soziale Isolation oder psychosomatische Erkrankungen mündet. Die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Todesfall führt oft dazu, dass Betroffene in einem Zustand der Erstarrung verharren, der sie dauerhaft daran hindert, wieder aktiv am Leben teilzunehmen und mit dem eigenen Leben weitermachen zu können.
Angebote für Angehörige von Betroffenen
Angehörige fühlen sich im Umgang mit Trauernden oft hilflos oder überfordert. Unser Angebot umfasst daher auch Beratungsgespräche für das soziale Umfeld, um Sicherheit im Umgang mit der Situation zu gewinnen. In der Therapie in Wien können wir gemeinsam klären, wie Sie den Betroffenen stützen können, ohne Ihre eigenen Belastungsgrenzen zu überschreiten, und wie eine offene, heilende Kommunikation innerhalb des Familiensystems gefördert werden kann.
Podcast
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Schmidsberger Florian
Integrative Gestalttherapie (IG)
Aktuell voll
Steiner Gregor
Systemische Therapie (SF)
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